Kontrolle

Hör auf dein Bauchgefühl!

Wie ich lerne wieder auf meinen Körper zu hören

Ich habe mit Essen alles kompensiert. War ich gestresst, dann war Essen ein Mittel runter zu kommen, eine Auszeit zu nehmen. War mir hingegen langweilig, war es ein Mittel mich zu beschäftigen. War ich enttäuscht und traurig, dann war Essen mein Trost. War ich glücklich und mutig, war es meine Belohnung. Und ich spreche hier nicht von einem Stückchen Schokolade, damit wir uns nicht falsch verstehen. Es waren Massen. Zeitweise drehten sich meine Gedanken den ganzen Tag darum, was ich am Abend, wenn die Kinder im Bett sind, essen kann. Gedanklich ging ich die Süßwarenregale durch und genoss es regelrecht mir auszumalen was ich kaufen würde. Unser Supermarkt schließt erst um Mitternacht, keine Süßigkeiten kaufen blieb somit beinahe unmöglich. Und so nötigte ich Herr Raupe Abend für Abend mit meinem Schokoladen-Einkaufszettel einkaufen zu gehen. Eine Tüte Kekse, eine Schokoladentafel, Waffeln und ein Eis. Nicht für eine Woche, für einen einzigen Abend. Es entwickelten sich krankhafte Züge und ich musste mir eingestehen wie viel Abstand ich zu meinem Körpergefühl genommen habe. Signale von ihm zu deuten, war entweder nicht möglich, oder ich ignorierte sie schlicht und ergreifend. Diese Abhängigkeit von Zucker war mir zuwider. Ich wollte meine Sinne wieder selbst steuern, wollte Kontrolle über meine Gedanken haben und vor allem wollte ich meine grundlegenden Bedürfnisse von Hunger und Durst wieder deutlich wahrnehmen. Und so entschied ich mich zum Jahreswechsel den radikalen Weg zu gehen. Entweder ganz oder gar nicht. 

 In den letzten sechs Wochen habe ich auf Fruchtzucker verzichtet. Jede Woche merkte ich wie meine Geschmacksnerven immer feinfühliger und ausgeprägter wurden. Ich begann mich fitter zu fühlen und bekam richtig Lust auf Bewegung.Mein Körper signalisierte mir immer deutlicher wann er Nahrung brauchte und überraschender Weise auch welche Art der Nahrung. In der siebten Woche jetzt, glaube ich daran meinem Körper soweit zu vertrauen, dass er mir auch sagt, wann er etwas Süßes braucht. Aber nicht wieder diese Massen an Schokolade und Keksen, sondern einfach etwas zum genießen. Vor dem Ende dieses Experiments hatte ich Angst, was wäre wenn ich wieder Obst esse und ganz schnell in alte Verhaltensmuster fallen würde? Die Ängste meine Kontrolle wieder an die Zuckerlobby abzugeben waren groß, doch nun glaube ich, dass es keinen Grund zur Furcht gibt. Ich muss konsequent bleiben bei Industriezucker und auch den Fruchtzucker nicht wahllos konsumieren. Mein Verstand ist klar, deshalb kann ich nun die Signale meines Körpers deuten und durch meine neu gewonnene Stärke und Energie werde ich ihm mein vollstes Vertrauen schenken.

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Kommentare: 3
  • #1

    Madame Rigoler (Samstag, 18 Februar 2017 13:18)

    Ein sehr interessanter Bericht und sehr ehrlich! Mir geht es ganz ähnlich- allerdings kann ich meinen Obstkonsum nicht so konsequent einhalten. Das ist sooo schwer. Wie kann ich eine Alternative dazu finden?

  • #2

    Lizzy (Sonntag, 19 Februar 2017 21:22)

    Respekt für so viel Selbstdisziplin! Gerade bei Obst hätte ich auch die allergrößten Schwierigkeiten. Und eben manchmal auch diesen Drang nach Süß. Was machst du dagegen? Kann man das auf Dauer durchhalten?

  • #3

    HashtagMio (Montag, 20 Februar 2017)

    Wow ! Ist echt super geworden, ich bin stolz auf dich :*